FC Wangen

Leitete den Torreigen ein: Wangens Angreifer Tim Bucher. (Foto: Florian Wolf)

8:1! Der FC Wangen setzt in der Landesliga ein Ausrufezeichen und sorgt für Aufbruchstimmung. Tim Bucher erzielt einen Hattrick.

Autor: Nico Brunetti | Schwäbische Zeitung

„Vielleicht ist es das bislang wichtigste Spiel der Saison für uns“, sagte Safet Hyseni, Trainer des FC Wangen, im Vorfeld. Nach der Partie gegen den FC Srbija Ulm freute er sich: „Genau so sind es die Jungs angegangen, sie waren fokussiert.“ Die Allgäuer Fußballer schossen den Tabellen-14. am Samstag mit 8:1 (4:0) aus dem Stadion und sicherten sich praktisch den Klassenerhalt in der Landesliga IV.

Hysenis Team legte los wie die Feuerwehr. Rechtsverteidiger Jannek Brüderlin spielte einen Pass in die Spitze. Stürmer Yannick Huber hob den Ball hoch und schickte David Wessle mit dem zweiten Kontakt in den Lauf, der rechte Flügelspieler flankte flach und fand den hereinlaufenden Tim Bucher, der nach nur wenigen Sekunden das 1:0 für die Gastgeber erzielte (2.). „Der Druck war früh weg, dann spielt es sich leichter auf“, meinte der Torschütze. Die Kugel lief flüssig durch die Reihen des FC Wangen – und immer wieder führten die schön vorgetragenen Angriffe zu Torchancen. Hyseni lobte im Anschluss die vielen „Positionswechsel“ und betonte: „Die Jungs haben punktuell gezeigt, dass sie richtig gute Fußballer sind.“

David Wessle glänzt als Vorbereiter

Die nächsten Tore ließen nicht lange auf sich warten. Simon Wetzel, ein echter Aktivposten im offensiven Mittelfeld, spielte Huber frei und ermöglichte ihm damit seinen zweiten Assist. Er legte rüber, Elias Willhalm traf ins leere Tor (13.). Es war aber vor allem die erste Halbzeit von Bucher. Der 22-Jährige verwertete die Pässe von Wessle eiskalt zum 3:0 (17.) und 4:0 (44.). Somit traf Bucher in nur einer Halbzeit so oft wie bisher im gesamten Jahr 2026. „Er hat sein Potenzial in Zählbares umgemünzt. Er arbeitet akribisch wie jeder andere Spieler bei uns auch. Ich bin sehr froh, dass er bei uns ist und sich für den Aufwand belohnt hat“, sagte Hyseni.

Bucher lief am Samstag als linker Flügelspieler auf und markierte seine Treffer 12, 13 und 14. Mit der Torausbeute ist der Sommerneuzugang des SV Neuravensburg zufrieden, gerade nachdem er – wie auch andere junge Neue beim FCW – zunächst Anlaufschwierigkeiten hatte. „Jetzt merkst du, dass jeder das Tempo mitgehen kann und Zug da ist“, berichtete Bucher, der damit Hoffnungen für die kommende Landesligasaison weckt.

FC Srbija Ulm ist überfordert mit dem Wangener Tempo

Wie gut der FC Wangen spielen kann, zeigte er am Samstag eindrucksvoll. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der FC Srbija Ulm insgesamt sehr luftig verteidigte und die Gegenwehr in der letzten halben Stunde des Spiels auch nicht mehr vorhanden war. „Bei uns geht gerade alles schief“, meinte der gegnerische Trainer Zoltan Monostori nach dem fünften sieglosen Spiel in Folge. Der Plan, lange die Null zu halten, ging nicht auf. Die sehr angespannte Personalsituation „machte es schwierig, bei fast 30 Grad so ein Tempo, Niveau über 90 Minuten mitzugehen“, so Monostori.

Auch Bucher ist das nicht entgangen. „Es war leicht, wie du Tore schießen konntest“, sagte der 22-Jährige, der in Hälfte zwei das Tor von Huber zum 6:1 auflegte (66.). Zwei Treffer markierte Justin Schumacher (54., 68.) und Nils Oelmayer setzte den Schlusspunkt (75.). „Wenn wir ein bisschen effizienter sind, dann können wir das eine oder andere Tor mehr machen“, meinte Hyseni, denn Schlussmann Strahinja Petrovic zeichnete sich mehrfach aus.

Woran der FC Wangen noch arbeiten muss

Der FCW-Coach schlug einmal ganz bewusst gegen die Trainerbank, als der völlig freie Oelmayer den Ball am langen Pfosten vorbeischob (51.). „Solche Nachlässigkeiten darf man sich nicht erlauben. Die Gier brauchst du in jeder Phase des Spiels, das zeichnet Spitzenmannschaften aus. Deshalb ärgern mich solche Situationen, wo die letzte Überzeugung fehlt. Daraus müssen wir lernen und kompromisslos und entschlossen abschließen“, erklärte Hyseni, der dabei auch die mangelnde Chancenverwertung in den vergangenen Spielen im Kopf hatte.

Wangens Trainer wollte überhaupt nicht negativ sein, richtete insgesamt ein „großes Kompliment“ an seine Mannschaft. Um in der nächsten Runde oben mitspielen zu können, ist es jedoch dringend geboten, an Details zu arbeiten. Luft nach oben ist im Abwehrverhalten. In der ersten Halbzeit ließ sich FCW-Linksverteidiger Simon Straub einige Male von Diagonalbällen des Gegners übertölpeln, in Hälfte zwei bekamen die Gastgeber das besser in den Griff. Dennoch gab es ein Gegentor: Denis Divkovic verwandelte einen Freistoß mithilfe des Innenpfostens zum zwischenzeitlichen 1:5 (59.) – aus Hysenis Sicht hätte es nicht zum Foulspiel kommen müssen.

Der FC Srbija Ulm ist noch nicht abgestiegen. Weil der SC Staig am Samstag dem FC Blaubeuren mit 0:2 unterlag, ist der Sprung auf den Abstiegsrelegationsplatz weiter möglich. Bei noch zwei verbleibenden Spielen beträgt der Rückstand auf den Aufsteiger fünf Zähler. Das Gerücht, dass sich der Verein freiwillig aus der Landesliga zurückziehen will, dementierte Monostori. „Wir wollen schon drinbleiben und wenn wir absteigen, wird es das Ziel sein, schnell wieder zurückzukommen“, sagte der Trainer des FC Srbija Ulm.


Fußball-Landesliga IV, 32. Spieltag: FC Wangen – FC Srbija Ulm 8:1 (4:0). – Tore: 1:0 Tim Bucher (2.), 2:0 Elias Willhalm (13.), 3:0, 4:0 Bucher (17., 44.), 5:0 Justin Schumacher (54.), 5:1 Denis Divkovic (59.), 6:1 Yannick Huber (66.), 7:1 Schumacher (68.), 8:1 Nils Oelmayer (75.) – Schiedsrichter: Jonas Toranzo – Zuschauer: 112 – FCW: Bühler – Jannek Brüderlin (57. Huß), Schumacher, Biewer, Straub (82. Wellmann) – Wessle, Oelmayer, Willhalm, Bucher (73. Bischof), Wetzel (57. Zirn) – Huber (73. Martin).