Erik Biedenkapp (Mi.) war jahrelang ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft des FC Wangen. (Foto: Josef Kopf/Archiv)
Verletzungsbedingt musste Abwehrchef Erik Biedenkapp vom Fußball-Landesligisten FC Wangen seine Karriere beenden. Für den Verein war es ein großer Verlust.
Autor: Giuseppe Torremante
Der Fußball-Landesligist FC Wangen erwartet am Samstag zum Derby den FV Rot-Weiß Weiler (14 Uhr, Allgäu-Stadion). Für viele Spieler ist es die Partie des Jahres. Erik Biedenkapp dagegen ist nur noch Zuschauer.
Ein Schuss, ein Schmerz. Mehr war es nicht, als Erik Biedenkapp sich vor etwa zweieinhalb Jahren im Training an die Leiste fasste. Das wird schon wieder, dachte er. Die Ärzte würden die Ursache finden und dann könnte er wieder normal und vor allem ohne Beschwerden Fußball spielen. Der heute 28-Jährige erhielt von den Medizinern aber keine befriedigende Antwort. Der Schmerz war fortan ein ständiger Begleiter des Defensivspielers. Keine Linderung in Sicht. Alles, was blieb, war die Hoffnung, dass irgendein Arzt die Ursache des Schmerzes herausfinden würde.
Er probierte vieles, um wieder schmerzfrei Fußball zu spielen. Selbst eine Eigenbluttherapie brachte nicht die erhoffte Linderung. „Ich hatte viele Arzttermine, wollte endlich eine Lösung finden. Die Therapien haben aber nicht angeschlagen“, sagt er. Die Ärzte teilten ihm mit, dass er sich andere Sportarten suchen solle, da die ruckartigen Bewegungen im Fußball Gift für seinen Körper wären. Vor Rückrundenbeginn hat er sich daraufhin von der Mannschaft als Spieler verabschiedet – und das im besten Fußballalter. „Das war für mich ein schwieriger Moment. Der Fußball war ein großer Teil meines Lebens“, betont er.
Der aktuelle Trainer des FC Wangen, Safet Hyseni, unter dem Erik vor etwa acht Jahren schon einmal trainiert hatte, war geschockt und sprachlos. Er hatte insgeheim die Hoffnung, dass es doch noch klappen könnte. Aber wenn ein Sport nur betrieben werden kann, wenn man vorher Schmerztabletten zu sich genommen hat, dann hält sich der Spaß in Grenzen. Mit ihm verliert der FC Wangen einen Führungsspieler, einen vorbildlichen Menschen, der sich nie verbiegen ließ. „Ich bin authentisch geblieben, habe meine Meinung immer gesagt, mich nie verstellt, egal ob es den Menschen passte oder nicht. Entscheidend ist aber die Ansprache. Der respektvolle Umgang mit dem Gegenüber ist enorm wichtig“, meint Biedenkapp.
Seit 2002 spielte er beim FC Wangen. Ein anderer Verein kam für ihn nie infrage. 2017 holte ihn der damalige Trainer Adrian Philipp in die Verbandsligamannschaft. Seither war er bis zu seiner Verletzung nicht mehr aus der Stammformation der Allgäuer wegzudenken. In seiner ersten Partie durfte er gegen die Mannschaft aus Hollenbach ran. Er war nur eine Minute auf dem Platz, dann leitete mit einem Pass den Siegtreffer ein. Der Ball kam zum heutigen Kapitän Simon Wetzel, dieser spielte ihn zu Yannick Huber weiter und fertig war der 2:1-Siegtreffer. Sein erstes Tor bei den Aktiven erzielte er beim 4:0-Erfolg über Calcio (Saison 2018/2019). Das waren schöne Momente. Der Abstieg aus der Verbandsliga in der Saison 2022/2023 war dagegen sehr bitter. Übrigens: Erik Biedenkapp war ein fairer Abwehrspieler. Nur einmal musste er vorzeitig zum Duschen gehen. In der Partie gegen Ilshofen (22. Oktober 2022) sah er im Allgäu-Stadion die Gelb-Rote Karte.
„Erik war eine Identifikationsfigur, ein Vorbild als Fußballer und er ist ein guter Freund. Er hatte eine hohe Spielintelligenz. Er sah Spielzüge des Gegners voraus, die andere nicht sahen“, sagt der heutige Kapitän Simon Wetzel. „Wir haben mit Erik Biedenkapp einen Spieler verloren, der auf dem Platz eine ungeheure Ruhe ausstrahlte. Er ist in kritischen Momenten nie hippelig geworden, nie nervös, war immer kontrolliert“, meint der ehemalige Mitspieler und heutige Co-Trainer Daniel Wellmann.
Der ehemalige Abwehrchef des FC Wangen vermisst nicht nur das Spiel mit dem Ball, sondern auch das drumherum. Der Fußball hat eine soziale Verantwortung. Die Gespräche mit seinen Mannschaftskameraden und Freunden nahmen immer einen großen Platz in seinem Leben ein. Fehlen werden ihm aber nicht nur die Spieler, sondern auch die Betreuer Vlado Saric mit seinem Humor und Alois Weber (Wiese) mit seinen Witzen und natürlich seinen Bemerkungen vor und während des Spiels. „Die Heimreise von einem Auswärtsspiel war irgendwie immer lustig, egal, wie das Ergebnis war. Es waren tolle sportliche wie auch menschliche Erfahrungen, die ich sammeln durfte“, sagt er.
Der Blick zurück schmerzt, aber es war aufgrund der Diagnose die einzig richtige Entscheidung, aufzuhören. Man kommt irgendwann an einen Punkt, an dem es dann keinen Spaß mehr macht. Er ist aber nicht aus der Welt. Er besucht, sooft es geht, die Heimspiele seines FC Wangen. Letztendlich haben sich nur die Rollen geändert. Vorher war er Spieler, jetzt fiebert er als Zuschauer mit seinen ehemaligen Mannschaftskameraden mit.