
Beim letzten Aufeinandertreffen im März trotzte Riedlingen (in Weiß) den Wangenern auf Kunstrasen ein 2:2-Unentschieden ab.(Foto: Christian Flemming)
Wangen empfängt Riedlingen, das nach schwachem Start aufblüht. Die Allgäuer haben gegen den TSV noch nie zu Hause gewonnen und bleiben trotz Favoritenrolle wachsam.
Autor: Felix Kerscher | Schwäbische Zeitung
Wenn der FC Wangen am Samstag um 15.30 Uhr im Allgäustadion den TSV Riedlingen zum 12. Spieltag in der Fußball-Landesliga empfängt, treffen zwei Mannschaften aufeinander, die mit ganz unterschiedlichen Erwartungen ihre Ligaspiele bestreiten.
Während der FCW laut Trainer Safet Hyseni „das Selbstverständnis haben muss, seine Heimspiele immer gewinnen zu wollen“, und hinter dem immer noch ungeschlagenen SSV Ehingen-Süd den zweiten Tabellenplatz belegt, fühlt sich Riedlingen auf Rang neun ganz wohl, denn bis zum sechsten Spieltag hielt die Mannschaft von Spielertrainer Raphael Sontheimer die rote Laterne der Liga. „Mit dem Saisonbeginn waren wir natürlich nicht zufrieden, wir wissen aber auch die Lage einzuschätzen“, sagt dieser im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. Riedlingen hatte die ersten sechs Spiele in Folge verloren.
Dann kamen vier Siege und am vergangenen Samstag ein 1:1 -Unentschieden gegen den FC Blaubeuren. Ärgerlich war für Riedlingen, dass Blaubeurens Fußballern der Ausgleichstreffer doch noch kurz vor dem Abpfiff gelang. „Zwei Punkte mehr – das wäre natürlich noch einmal ein ‚big point‘ gewesen, wenn man die Tabelle anschaut“, so Sontheimer, der trotzdem zufrieden ist. „Wir haben ein klares Ziel, wir wollen die Klasse halten“, sagt er und weist noch einmal darauf hin, dass „keiner unserer Spieler Geld bekommt“.
Riedlingen ist am Samstag also ganz klar der Underdog, aber schaut man sich einmal die bisherigen sechs Begegnungen dieser beiden Teams an, fällt eines direkt ins Auge: Wangen hat gegen Riedlingen noch nie zu Hause gewonnen. „So was mag ich“, sagt Hyseni lachend, als er davon erfährt. „Das ist ein zusätzlicher Anreiz.“ Er glaubt, dass es gegen den TSV „eine schwere Aufgabe“ wird, denn „Riedlingen ist gut im Flow“. Vergangenen Samstag konnte er sich das Spiel gegen Blaubeuren ansehen, da sein FCW erst am Sonntag spielte. Dort sah er, dass Riedlingen bei den Standards sehr gefährlich ist und ein gutes Umschaltspiel hat – „gerade mit den schnellen Außenspielern“, wie er bemerkt. „Die Mannschaft hat Qualität, und auf die müssen wir uns einstellen.“
„In Wangen fühlen wir uns wohl“, sagt TSV-Trainer Sontheimer. Ihm war bewusst, dass sein Team in Wangen noch nie drei Punkte liegen ließ. „Eigentlich sind wir eher eine Heimmannschaft, aber irgendwie gefällt es uns in Wangen.“ Er möchte sich mit seiner Mannschaft erneut gut präsentieren und gibt sich bescheiden: „Ich wäre auch mit einem Punkt zufrieden, denn Wangen ist aktuell sehr stark unterwegs.“ Dafür, das ist ihm bewusst, muss seine Mannschaft auch nach vorn spielen: „Nur Tore zu verhindern, das wird nicht reichen. Mir müssen einen guten Mix finden.“
Das ist richtig, und das weiß auch Wangens Trainer, dem die Superlative nicht ausgehen wollen, wenn er vom 4:0 seiner Truppe beim TSV Eschach berichtet. „Fantastisch, toll, imponierend“, so hat er seine Jungs am Sonntag gesehen, und er geht stark davon aus, dass ein ähnlicher Auftritt folgen wird. „Mit Ball war es wirklich sensationell, was die Jungs da abgeliefert haben. Wir hatten viel Ballbesitz und waren absolut spielbestimmend. Eschach ist teilweise nur hinterhergelaufen.“
In Eschach wurde auf Kunstrasen gespielt, ein Novum für die Wangener in dieser Saison, und eines, dass sich auszahlen könnte, denn wahrscheinlich wird auch das Spiel am Samstag auf diesem Belag stattfinden. Genau wie das letzte Aufeinandertreffen im März – es endete 2:2. „Das ist schon irgendwie ein Hoffnungsschimmer fürs Wochenende“, nimmt Sontheimer das als gutes Omen.
Ein paar Fragezeichen gibt es bei beiden Trainern noch, aber lässt man die Langzeitverletzten außer Acht, können sie auf den kompletten Kader zurückgreifen. Hyseni selbst ist erkältet und hofft, bis dahin keinen sehr Spieler anzustecken, wofür er die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen trifft – da überlässt er nichts dem Zufall.