Simon Wetzel (re.) stellte seinen Wert für den FC Wangen im Heimspiel gegen die SSG Ulm deutlich unter Beweis, indem er seine Mitspieler immer wieder mit Bällen fütterte. Nach einem Disput mit dem Schiedsrichter wird er den Allgäuern nun aber erst einmal fehlen. (Foto: Josef Kopf)
Der FC Wangen verliert nicht nur das Landesligaspiel gegen die SSG Ulm, sondern zum Unverständnis der Allgäuer auch den Kapitän.
Autor: Nico Brunetti | Schwäbische Zeitung
Safet Hyseni sucht nach der Landesliga-Partie am Samstag die Schiedsrichterkabine auf. Der Fußballtrainer des FC Wangen möchte nach der 1:2-Heimniederlage gegen die SSG Ulm mit dem Unparteiischen Alessandro Winter reden – der Anlass: der Platzverweis für Simon Wetzel nach Spielende. „Meiner Meinung nach war das völlig überzogen“, sagt Hyseni. Wetzel beklagte sich über den zu frühen Schlusspfiff und bekam am Ende des Disputs mit Winter die Rote Karte. „Mir hat da das Fingerspitzengefühl gefehlt“, meint Hyseni.
Unschön: Der Schiedsrichter soll Wetzel „verbal angegriffen“ haben, indem er die technischen Fähigkeiten des Wangener Kapitäns bemängelte. Laut Hyseni hätte das auch die SSG gehört, Ulms Kapitän Ruben Beneke versprach, den FCW mit einem Bericht zu unterstützen. Wangen hofft auf eine möglichst kurze Sperre, möchte ungern länger auf den 33-jährigen Zehner verzichten.
Wetzel stellte seinen Wert für die Allgäuer am Samstag deutlich unter Beweis. Immer wieder setzte er seine Mitspieler stark in Szene. Nach der Ecke des Kapitäns köpfte Justin Schumacher den Ball freistehend aus wenigen Metern am Tor vorbei (16.). In der zweiten Halbzeit leitete er die Kugel weiter für Tim Bucher, der erst an SSG-Torwart Benjamin Enderle und dann am Pfosten scheiterte (55.). Knapp eine Viertelstunde später verlängerte Wetzel für den eingewechselten Yannick Huber, Enderle stürmte aus seinem Tor und könnte außerhalb des Sechzehners mit der Hand am Ball gewesen sein (69.). „Es gab ein paar knifflige Szenen. Tendenziell hat der Schiedsrichter pro Ulm gepfiffen und die Verhältnismäßigkeit vermissen lassen“, meint Hyseni.
„Das nötige Glück hat gefehlt“, bemängelt Wetzel. Huber (Kopfball) und Simon Straub (Fernschuss) trafen in der zweiten Halbzeit die Latte – insgesamt verhinderte das Aluminium dreimal ein Tor der Gastgeber. Erst in der 92. Minute durfte der FCW jubeln: Schumacher köpfte eine Freistoßflanke von Jonas Brüderlin zum 1:2 ins lange Eck. Der Anschlusstreffer fiel allerdings zu spät – zum Leidwesen von Hyseni. „Einen Punkt hätten wir aufgrund unseres Aufwands verdient gehabt“, sagt der FCW-Coach.
Auch der SSG-Co-Trainer Werner Kraus gesteht: „Das Glück war auf unserer Seite. Wangen hat eine starke Mannschaft und wird vorne mitspielen.“ Kraus ist jedoch auch der Überzeugung: „Das haben wir uns durch unsere Laufarbeit erarbeitet.“ Der Assistent vertrat Chefcoach Martin Klarer, der die Partie urlaubsbedingt verpasste. Ulms Fußballer beanspruchten zunächst mehr Spielanteile für sich, streuten dann aber zu viele Ungenauigkeiten ein. „Unsere Pässe in die Tiefe sind nicht gut angekommen, da waren wir zu unsauber“, meint Kraus.
Die Gäste hebelten am Ende des ersten Durchgangs dennoch einmal die FCW-Abwehr aus. Mika Kürner bezwang Heimkeeper Marcel Maier im zweiten Versuch (40.). In der 54. Minute landete ein abgefälschter Schuss von Linus Nadalutti zum 2:0 für die SSG im Tor – wieder bemängelt Hyseni einen Ballverlust im Zentrum. In der Folge gab es Chancen auf beiden Seiten, Maier hielt die Wangener weiter im Spiel. Doch trotz des späten Tores gab es keine Wende mehr.
Ein Grund dafür ist die Chancenverwertung – die größte Gelegenheit vergab David Wessle, der nach einem Ulmer Abwehrschnitzer auf und davon war, die Kugel aber links am Kasten vorbei setzte (26.). Für SSG-Co-Trainer Kraus hätte die Aktion wegen eines Handspiels abgepfiffen werden müssen.
Wangen muss sich ankreiden, in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht an die Leistung beim 3:1-Auftaktsieg in Ummendorf angeknüpft zu haben. „Die erste Halbzeit war unterirdisch. So trainieren wir nicht mal. Entsprechend war die Halbzeitansprache, wir müssen von Beginn an da sein“, sagt Hyseni, der zur Pause zweimal wechselte und danach „mehr Energie“ gesehen hat.
„Als der Druck weg war, ging es“, so Wetzel. Der Kapitän und der Trainer sind sich einig, dass es „ein Dämpfer“ ist. Aber: „Wir lassen uns nicht von unserem Weg abbringen“, betont Wetzel, der mindestens für das kommende Spiel beim TSV Buch (Freitag, 18.30 Uhr) gesperrt sein wird.
Fußball-Landesliga IV, 2. Spieltag: FC Wangen – SSG Ulm 1:2 (0:1). – Tore: 0:1 Mika Kürner (40.), 0:2 Linus Nadalutti (54.), 1:2 Justin Schumacher (90. +2) – Besonderes Vorkommnis: Rote Karte für Simon Wetzel (90. +3, FCW, Meckern) – Schiedsrichter: Alessandro Winter – Zuschauer: 250 – FCW: Maier – Jannek Brüderlin (46. Straub), Schumacher, Willhalm, Huß – Bucher, Oelmayer (51. Biewer), Jonas Brüderlin, Zirn (46. Huber), Wetzel – Wessle.